Gibt es wissenschaftliche Studien zu exogenen Ketonen?

Durch das Trinken exogener Ketone kommt man in den Zustand der Ketose – und das ohne eine ketogene Ernährung oder Fasten. Wenn es um Ketonkörper-Supplemente geht, hört man allerdings immer wieder:

Dazu gibt es ja bisher kaum Studien.

Doch was ist daran?

Tatsächlich ist das Thema insgesamt zwar noch recht jung, aber Studien zu Ketonen gibt es dennoch – und es werden immer mehr.

In diesem Artikel schauen wir uns an, welche wissenschaftlichen Daten es zu BHB-Ketonen gibt und wie hoch ihre Aussagekraft ist.

Bevor es losgeht, noch drei Anmerkungen:

  1. Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert und erweitert. Es kommen also neue Daten und Erkenntnisse dazu.
  2. Der Stand der Wissenschaft bildet niemals die vollständige Evidenz ab. Viele wirksame Stoffe und Konzepte bekommen erst recht spät endgültigen Proof, während sie in der Praxis schon lange erfolgreich genutzt werden.
    Man sollte Wissenschaft deswegen nicht mit einer absoluten Wahrheit verwechseln.
    Wer wirklich mitreden können will, macht sich selbst ein Bild.
  3. Wenn es um die biologische Wirkung von Ketonkörpern geht, ist es egal, ob diese exogen zugeführt oder endogen von der Leber produziert werden. Lediglich im Bezug auf den Mechanismus beim Thema Fettverbrennung besteht hier ein Unterschied – ansonsten ist alles identisch, solange es ich um r-BHB Ketone handelt.

Studien zu exogenen Ketonen

Studien zu exogenen Ketonen und Abnehmen

Gerade fürs Abnehmen werden exogene Ketone immer wieder beworben. Allerdings wurden bisher noch keine (mir bekannten) Studien durchgeführt, die beweisen, dass exogene Ketone auch wirklich beim Abnehmen helfen.

Wie kommt es also zu diesem häufigen Marketing (?) Versprechen?

Wie bereits erwähnt: Nur, weil es zu etwas keine Studien gibt, ist es nicht falsch. Es gibt zahlreiche Erfolgsgeschichten enormer Gewichtsverluste unter dem Einsatz exogener Ketone.

Was Studien zu exogenen Ketonen angeht, gibt es zwar keine klaren Korrelationsdaten, aber dafür durchaus valide, mechanistische Untersuchungen.

Studien: Exogene Ketone beeinflussen Abnehm-Faktoren

Wenn wir kurz und knapp schauen, welche Faktoren für einen erfolgreichen und nachhaltigen Verlust von Körperfett entscheidend sind, so ist das:

Entzündungen

Viele Menschen mit Abnehmproblemen leiden unter chronischen, stillen Entzündungen. Ohne, dass sie es wissen. Diese Entzündungen haben vielfältige, mögliche Auswirkungen:

Sie verstärken Alterungsprozesse, machen müde, abgeschlagen, rauben Energie (die z. B. nötig ist, um sich zum Sport aufzuraffen) und – da es jetzt ja um Fettverlust geht – beeinträchtigen auch die Gesundheit der Fettverbrennungs-Kraftwerke (Mitochondrien) und machen insulinresistent.

Ketonkörper wirken grundsätzlich entzündungsregulierend und zwar systemisch.

Das konnte in Tierstudien mit Ketonkörpern schon mehrfach gezeigt werden (Noh et al. 2006, Maalouf et al. 2007Soni et al. 2022).

Eine verbesserte Entzündungssituation kann die Mitochondrien (Reminder: Die Fettverbrennungs-Kraftwerke in den Zellen) entlasten. Das hat Einfluss auf den folgenden Punkt:

Metabolische Gesundheit.

Das Bedeutet: Mitochondrien, die in der Lage sind, freie Fettsäuren zu oxidieren. Einfach gesprochen: Ein Körper, der überhaupt Fett verbrennen kann. Ein intakter Fettstoffwechsel.

Hier scheinen Ketone einen starken, positiven Einfluss zu haben (Maalouf et al. 2007, Newman & Verdin 2019, Kovacs et al. 2021).

Bei einem nicht intakten Fettstoffwechsel können Ketonkörper also möglicherweise die Ursache beheben.

Mitochondrien sind in jeder Stoffwechsel aktiven Zelle

Fettverbrennung und der Unterschied zur ketogenen Diät

Häufig kommen an diesem Punkt die Fragen:

  1. Aber warum sollte man Ketonkörper denn von außen zuführen?
  2. Der Körper kann doch selbst Ketone produzieren?
  3. Sind das nicht zusätzliche Kalorien? Das wäre doch schlecht für die Fettverbrennung.

Der springende Punkt ist:

Einerseits ist  tagelanges Fasten oder eine ketogene Ernährung nicht für jeden geeignet oder im Alltag umsetzbar. Andererseits muss der Fettstoffwechsel funktionieren, damit der Körper überhaupt selbst Ketone herstellen kann. Denn die Produktion von Ketonkörper in der Leber ist der Beta-Oxidation nachgelagert.

Bei einem nicht-intakten Fettstoffwechsel fehlt also das Bindeglied, damit der Körper selbst Ketone herstellen kann.

Und zum Kalorien Thema: Ja, exogene Ketone sind zusätzliche Kalorien.
Wer ein wenig im Thema Stoffwechsel und Biochemie belesen ist, weiß: Es geht nicht nur (wie so oft propagiert) um die stumpfe Kalorienbilanz, sondern auch im die biologische Wirkung von Nährstoffen im Körper.

Wenn 45 zusätzliche Kalorien dafür sorgen, dass am Ende

a) mehr Energie verbraucht
b) besser Fett verbrannt
c) insgesamt weniger Energie aufgenommen wird

dann führen die Ketone-Kalorien dennoch zu einer Senkung der Energiebilanz – nur eben nicht in der Minute, in der sie aufgenommen werden.

Unterm Strich also: Für viele Menschen wird die Fähigkeit, selbst in Ketose zu kommen, durch die Einnahme exogener Ketone überhaupt erst ermöglicht.

Insulinsensitivität

Insulinsensitivität (das Gegenteil von Insulinresistenz) ist – einfach gesprochen – der Faktor, der bestimmt, was mit Deinem Essen passiert:

Gelangen aufgenommene Kalorien und Nährstoffe ins Körperfett oder werden sie für Energiegewinnung, Muskelaufbau etc. genutzt? (Hier ein vollständiger Artikel zum Thema Insulinsensitivität.)

Selbstredend ist es wünschenswert, eine möglichst gute Insulinsensitivität zu haben, da sie für mehr Muskeln, mehr verfügbare Lebensenergie und weniger Körperfett sorgt.

Einer der Hauptfaktoren, warum Menschen insulinresistent sind, sind die bereits erwähnten stillen Entzündungen. Da Ketonkörper genau diese reduzieren, liegt es auf der Hand, dass sie die Insulinsensitivität verbessern können.

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Zu genau diesem Punkt gibt es wieder sehr viele, sehr gute Studien zu exogenen Ketonen.

Denn, nicht nur die Entzündungen, sondern auch der Blutzucker spielen eine große Rollen für eine gute Insulinsensitivität.

Stabiler Blutzucker

Eine Meta-Analyse (Falkenheim et al. 2022) hat diesen Punkt ein für alle Mal geklärt:

Bei der Auswertung von 43 berücksichtigten Studien (so viel zum Thema – es gibt nicht viele Studien zu exogenen Ketonen) wurde klar gezeigt, dass die Zufuhr von r-BHB Ketonen immer den Blutzucker reguliert.

Exogene Ketone Blutzucker

Die Schlussfolgerungen der Autoren zum Thema Insulinresistenz:

In light of the growing burden of T2D and insulin resistance, these results provide promising evidence on the potential therapeutic use of exogenous ketones.

In Anbetracht der steigenden Belastung von Diabetes Typ 2 und Insulinresistenz, bieten diese Ergebnisse vielversprechende Evidenz auf den potenziellen therapeutischen Einsatz exogener Ketone.

Exogene Ketone gegen Heißhunger

Übrigens: Auch für Menschen, die von Heißhunger Attacken betroffen sind, ist dieser Punkt hochgradig relevant. Denn Heißhunger Attacken entstehen – neben psychischen Triggern – meist durch ein Absacken des Blutzucker Spiegels.

Da dieser nun reguliert wird und zusätzlich noch vorhandene Ketonkörper das Zuckerloch im Gehirn ausgleichen, ist dieser Punkt ein weiterer Meilenstein in Sachen Abnehmen.

Allein dadurch sind Essverhalten, Fettstoffwechsel und Appetit bereits stark verbessert. Doch ein weiterer Faktor kommt noch dazu:

Exogene Ketone senken Hungerhormone

Das Hungerhormon Ghrelin wird durch Ketonkörper reduziert.

Das wurde sowohl für ketogene Diäten gezeigt (Roekenes, Martins 2021) als auch für die Anwendung exogener Ketone als Supplement (Stubbs et al. 2018).

In Kombination mit (im Falle der Studie Poffé et al 2023: Ausdauer) Sport treten diese Effekte übrigens besonders stark auf.

Zusätzlich kommt es dort unter dem Einfluss der Ketonkörper noch zu einer Verdopplung der Dopamin Expression. Auch Dopamin (Hormon für Motivation und Belohnung) hat enormen Einfluss auf unser Essverhalten.

Damit ist die aktuelle, relevante Wissenschaft zu exogenen Ketonen und Abnehmen erst einmal abgebildet. Erster großer Block: Geschafft.

Fazit zu exogenen Ketonen und Abnehmen

Es ist an dieser Stelle nachvollziehbar: Es gibt Studien zu exogenen Ketonen und der grundsätzlichen Wirkungsweise von Ketonkörpern, die zeigen, dass sie

  • Appetit zügeln.
  • den Hunger senken.
  • Heißhunger regulieren.
  • Entzündungen reduzieren.
  • den Stoffwechsel optimieren.
  • die Insulinsensitivität verbessern.

All diese Effekte haben einen starken, potenziellen Einfluss auf das Thema Fettverlust und Gewichtsabnahme, insbesondere dann, wenn grundsätzliche, gesunde Lifestyle Faktoren berücksichtigt werden.

Wichtiger Hinweis

Sämtliche Daten beziehen sich auf reine r-BHB Ketone.
Diese sind in Europa bisher nur über einen Hersteller verfügbar.
Wer sie testen will, bekommt diese nicht bei DM, Amazon oder der Apotheke, sondern nur beim Hersteller selbst.

Exogene Ketone für den Stoffwechsel

Die vergleichsweise recht häufig angebotenen BHB-Ketone sind ein Mix aus dem wirkungslosen l-BHB und dem wirksamen r-BHB. L-BHB verhindert die optimale Aufnahme von r-BHB und sollte deswegen für die beschriebenen Effekte gemieden werden. Das ist in der Wissenschaft lange bekannt. Deswegen wird dort mit r-BHB geforscht.

Wer exogene Ketone für sich nutzen will, sollte also auch ausschließlich r-BHB Ketone wählen.

Kommen wir zu weiteren Studien zu exogenen Ketonen.

Denn, wer ein wenig im Thema ist, weiß:

Die ketogene Ernährung wurde ursprünglich entwickelt, um Epilepsie zu behandeln – ein neurologisches Thema. Als dann die Navy Seals bei ihren neuen Unter-Wasser-Kampfmasken teilweise Epilepsie-artige Anfälle bekamen, wurde das Thema für die Elite-Einheit heiß.

Doch eine ketogene Ernährung kam nicht als Dauerlösung in Betracht – Ketonkörper und ihre neuroprotektiven Eigenschaften mussten auf einem anderen Weg in den Elite-Soldaten gelangen. Exogene Ketone wurden entwickelt und das Problem gelöst.

Im nächsten Abschnitt werfen wir deswegen einen Blick auf?

Exogene Ketone und neuronale Problematiken.

Folgt in Kürze.

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