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Stiftung Warentest Omega-3: die Test-Blamage

Stiftung Warentest hat 2020 20 handelsübliche Omega-3-Präparate getestet und postet seitdem regelmäßig Omega-3-Updates. Doch die Veröffentlichungen werfen teils mehr Zweifel auf als dass sie Klarheit schaffen.

Ich habe die Omega-3-Ergebnisse von Stiftung Warentest gekauft und zeige in diesem Artikel, wie das Ganze einzuordnen ist. Zudem habe ich eine Presseanfrage zu einem Punkt gestellt, der undurchsichtiger nicht sein könnte – gleich mehr dazu.

Omega-3-Untersuchungen – das Vorspiel und Warentest Ergebnisse

2015 erschien eine schockierende, neuseeländische Studie zu Omega-3-Supplementen. Sie zeigte, dass ein Großteil der Präparate am Markt (in Neuseeland) stark oxidiert waren. Ergo: Aus wertvollem Omega-3 entstehen Lipidperoxyde und Aldehyde und ist nicht mehr gesundheitsförderlich, sondern potenziell sogar schädlich.
(Auch hierzu sei gesagt: Wir sprechen von Mengen von max. 2 g Fett täglich, diese wären durch die Umwandlung zwar rein technisch gesehen nachteilig, in der Praxis aber zu vernachlässigen.)

5 Jahre später erschien dann die Untersuchung von Stiftung Warentest: Nach der Begutachtung von 20 Omega-3-Präparate kommt sie zu einem erstaunlichen Ergebnis:

„Alle Präparate sind in Ordnung.
Es gibt keinen Testsieger.“

Die Begründung:

Also waren die Omega-3 Produkte plötzlich alle gut?
Wer hier verwundert die Stirn runzelt, ist nicht allein. Schauen wir genauer hin.

Was hat Stiftung Warentest tatsächlich untersucht?

Tatsächlich sieht der Aufbau der Untersuchung auf den ersten Blick solide aus: Es wurden laut Stiftung Warentest klassische Qualitätskriterien wie Oxidationszahlen (Anisidinzahl, TOTOX) sowie Schadstoffbelastung geprüft.

Und das glaube ich ihnen auch, aber das Schleierhafte:

Die Messergebnisse sind nicht im Test einsehbar!

Weder die individuellen Oxidationszahlen noch konkrete Messwerte zur Schadstoffbelastung.

Selbstredend habe ich Stiftung Warentest geschrieben und um die Herausgabe der Messergebnisse gebeten. Antwort? Bisher keine.

Wer das schon seltsam findet, wird sich umso mehr wundern, dass für die Untersuchung auch keine Oxidations-Grenzwerte veröffentlicht wurden.

Bedeutet: Niemand (außer möglicherweise Stiftung Warentest selbst) weiß, ab wann TOTOX oder Schwermetallbelastung als zu hoch eingestuft wurden.

Kleine Story dazu: Von der GOED (Global Organization for EPA and DHA Omega-3s) werden TOTOX-Werte bis 26 als maximal zulässiger Wert innerhalb ihrer eigenen Qualitätsstandards eingestuft. In Kreisen von Gesundheits- und Ernährungsberatern hingegen liegt die Qualitätsgrenze deutlich niedriger bei einem TOTOX von 10 – ein enormer Unterschied.

Dazu kommt, dass Stiftung Warentest auch das Präparat von Doppelherz einfach durchgewunken zu haben scheint, obwohl diese Marke damals stark erhöhte, toxische Titan-Dioxid-Werte in ihren Produkten hatte. Das verstärkt die Zweifel an der nicht einsehbaren Auswertung der Messungen.

Versteh mich nicht falsch: Ich nehme sogar durchaus an, dass korrekt gemessen wurde.
Das Problem ist vielmehr: Die echten Messergebnisse sind nicht einsehbar und ihre Interpretation und Begründung … abenteuerlich:

Warum gibt es überhaupt keinen richtigen Qualitätsvergleich?

Diese Frage beantwortet Stiftung Warentest selbst – und nicht nur ein Großteil des kostenpflichtigen Artikels dreht sich darum, sondern auch spätere Statements:

Wegen des nicht belegten, gesundheitlichen Nutzens sei auf eine Abstufung der Qualitätsurteile verzichtet worden.

Omega-3-Fettsäuren
Gesundheitliche Benefits von Omega-3 werden häufig im Bereich Darm, Herz, Gehirn, Augen und Gelenken erwähnt.

Wir lassen den ersten Punkt vorerst unkommentiert, denn es drängt sich ja die Frage auf:
Warum wurde dann überhaupt die Untersuchung durchgeführt?

Und vor allem:
Was hat das Ganze damit zu tun, wie gut ein konkretes Omega-3-Präparat verarbeitet wurde?

Ergo, selbst wenn man glaubt, dass Omega-3 gesundheitlich nutzlos sei … so ist es doch nicht von der Hand zu weisen, dass es dennoch relevant ist, wie viel intakter Wirkstoff tatsächlich enthalten ist und wie groß der Anteil unerwünschter Nebenprodukte ist. Genau hier hatte ich den Auftrag von Stiftung Warentest vermutet.

Zudem ist auch der Preisvergleich der Produkte maximal intransparent: Es wird der Preis pro Tagesdosis laut Hersteller verglichen. Diese variiert aber stark: Getestete Marken empfahlen 0,195 g bis 1,224 g EPA/DHA täglich

Der sinnvollere Ansatz wäre also gewesen, den Preis pro Gramm EPA/DHA zu berechnen.

Ein deutlich sinnvolleres Vorgehen wäre es z. B. entsprechend gewesen

  1. eine Qualitätsgrenze für Oxidationszahlen zu bestimmen und
  2. den Wirkstoffpreis sowie zusätzliche, gesundheitsförderliche Faktoren zu ranken.

Genau das habe ich in meiner eigenen Omega-3-Untersuchung übrigens getan.

Omega-3 Testsieger Fischöl Eqology Norsan Zinzino ESN
Fischöl Flaschen und Kapseln

Nun aber die spannende Frage, die mir bereits schon mehrfach gestellt wurde:

Hat Stiftung Warentest gefälscht?

Die Realität ist: Verschiedene Untersuchungen liefern verschiedene Ergebnisse. Der Schock-Studie von 2015 steht z. B. eine deutlich beruhigendere Erhebung von 2017 entgegen.

Und für die Daten – wenn man es so nennen kann – von Stiftung Warentest gibt es keine Anzeichen einer Fälschung. Ich gehe davon aus, dass die Messungen in unabhängigen Laboren korrekt durchgeführt wurden.

Das Problem liegt vielmehr bei der Transparenz und der fachlich sehr dünnen Interpretation.

Zudem erweckt der „Testbericht“ eine Assoziation von Bevormundung, da mehr darauf eingegangen wird, wie man theoretisch mit der normalen Ernährung seinen Omega-3-Bedarf decken könne und klassische Ernährungsempfehlungen abgespult werden, die zwar sinnvoll klingen, aber für die meisten berufstätigen Menschen im Alltag kaum umsetzbar sind.

Für den Verbraucher bedeutet das, …

…, dass der Test bedingt nützlich ist.

Statt Informationen über die Wertigkeit der Präparate gibt es Intransparenz und fadenscheinige Aufklärung.

Zudem sind die Produkte – Stand heute (09/2026) – stark veraltet, da sie 2019 eingekauft wurden. Das erwähnte, Titan-Dioxid haltige Präparat von Doppelherz z. B. darf in der Form heute gar nicht mehr verkauft werden.

Heute sagt der Test uns also: Für Produkte von 2019 hat Stiftung Warentest keine Auffälligkeiten gefunden.

Über die Qualität aktueller Produkte und ihrer jeweiligen Chargen sagt uns das leider nichts – dazu mehr in meinem großen Omega-3-Vergleich.

Und die Frage, ob Omega-3 grundsätzlich einen gesundheitlichen Nutzen hat, sollte meines Erachtens getrennt von einem Produkttest beantwortet werden.

Omega-3 Kapseln

Quellen und Ergänzungen

Liste der getesteten Präparate:

Fischöl (14 Produkte)

  1. Alsiroyal Seefischöl 1000 Omega-3

  2. Bakanasan Omega 3 mit Lachsöl

  3. dm Mivolis Omega-3 1000

  4. Doc Morris Omega-3 Kapseln

  5. Doppelherz Aktiv Omega-3 Seefischöl 1000

  6. Doppelherz System Omega-3 Konzentrat

  7. Dr. Loges Omega 3-Loges plus Astaxanthin

  8. Feel Natural Omega 3 Fischöl 1000 mg

  9. Müller Fit+Vital Omega-3 Fischöl 1000

  10. Norsan Omega-3 Kapseln mit natürlichem Fischöl

  11. Rossmann Altapharma Omega-3 Seefischöl 1000+

  12. Salus Omega-3 mit Lachsöl

  13. Schaebens Omega-3 Premium

  14. Tetesept Omega-3 1000

Algenöl (4 Produkte)

  1. Alsiroyal Algenöl pflanzlich Omega-3

  2. Doppelherz System Omega-3 Pflanzlich

  3. Dr. Loges Omega 3-Loges pflanzlich

  4. Testa Omega-3 Algenöl DHA + EPA

Leinöl (2 Produkte)

  1. dm Mivolis Omega-3 Leinöl 1000

  2. Schaebens Omega-3 Pflanzlich Leinöl 1000 mg

Quellen und Ergänzungen

  1. Stiftung Warentest (2020): Mittel mit Omega-3-Fettsäuren im Test – Fischölkapseln und Co bringen wenig.
  2. Stiftung Warentest (2020): So haben wir getestet – Prüfmethodik und analytische Untersuchungen. Einschließlich der Stellungnahme vom 18.09.2026 in den Kommentaren.
  3. Albert et al. (2015): Fish oil supplements in New Zealand are highly oxidised and do not meet label content of n-3 PUFA. Scientific Reports, 5, 7928. DOI: 10.1038/srep07928. Korrektur von 2016.
  4. Bannenberg et al. (2017): Omega-3 Long-Chain Polyunsaturated Fatty Acid Content and Oxidation State of Fish Oil Supplements in New Zealand. Scientific Reports, 7, 1488. DOI: 10.1038/s41598-017-01470-4.
  5. GOED (2022): GOED Voluntary Monograph, Version 8.1. Qualitätsstandards und Grenzwerte für Peroxidzahl, Anisidinzahl und TOTOX.
  6. Albert et al. (2013): Oxidation of Marine Omega-3 Supplements and Human Health. BioMed Research International, 2013, 464921. DOI: 10.1155/2013/464921.
  7. Europäische Kommission (2022): Verordnung (EU) 2022/63 zur Verwendung von Titandioxid (E171) als Lebensmittelzusatzstoff.

 

Vincent Braukämper

Vincent Braukämper

Vincent Braukämper ist Dozent, Autor und Mentor mit Fokus auf angewandte menschliche Entwicklung, Verhalten, Entscheidungsprozesse, Leistungsfähigkeit und Gesundheit. Er verbindet Erkenntnisse aus Stoffwechselphysiologie, Psychoneuroimmunologie und Verhaltensforschung mit über zehn Jahren praktischer Arbeit im Gesundheits- und Leistungsbereich. Auf Intelletics teilt er wissenschaftlich fundierte, praxiserprobte Ansätze zu metabolischer Gesundheit, Longevity und leistungsrelevantem Verhalten. Autorenprofil

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