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Begünstigt Fischöl Demenz?

Wenn Deutschlands Lieblings-Gesundheitsexperte warnt, dürfen wir besonders aufmerksam sein.

Am 24.0.5. veröffentlichte Karl Lauterbach auf Instagram Post seine wissenschaftliche Interpretation einer aktuellen, chinesischen Studie zu Fischöl (Zheng-Bin Liao et al. 2026).

Fischöl-Kapseln könnten die Entstehung von Demenz sogar deutlich beschleunigen. Langzeitstudie aus China zeigt diesen Zusammenhang. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt wenig Evidenz dafür, dass sie einen medizinischen Nutzen haben.

– so Lauterbach auf Instagram.

Karl Lauterbach Fischöl Demenz

Glücklicherweise haben wir spätestens seit 2020 schmerzhaft gelernt, dass solche Experten sich irren können – und schauen deswegen grundsätzlich einmal extra genau hin …

Wobei der extra genau Blick nicht einmal nötig ist, denn:

Was die Studie zeigt

… ist, dass eine Korrelation zwischen Demenz und der Einnahme von Fischöl besteht.

Also hat Karl recht?

Ganz so simpel funktioniert die Herleitung allgemeingültiger Erkenntnisse aus einer Korrelationsstudie dann doch nicht.

Die Forscher ermittelten zwar eine Korrelation, jedoch keine Kausalität. Ergo – es ist nicht eindeutig, ob die neorodegenerativen Effekte durch Fischöl ausgelöst werden.

Und tatsächlich stellen sie auch genau das selbst heraus, um Schlagzeilen-Interpretationen wie Lauterbachs vorzubeugen.

Die Studie hat “commercially available fish oil” untersucht, also handelsübliche Drogerie Kapseln ohne jegliche Qualitätskontrolle. Es gab keinen Hinweis auf Dosis, keine Angabe zur Frische, keine Überprüfung des Oxidationsgrades. Wie sie hoffentlich wissen, überschreiten in unabhängigen Tests bis zu 80% der handelsüblichen Fischöl Supplemente die empfohlenen Oxidationsgrenzen.

– Ana Herakovic, Dipl. Ing. Biochemie & Chemie.

Auch die Autoren der Studie selbst schreiben, dass der beobachtete Effekt wahrscheinlich genau darauf zurückzuführen ist – und nicht aufs Omega-3 selbst.

Kommen wir nun aber zum Kern des Ganzen:

Macht Fischöl dement?

Und gerade hier zeigt die Forschung bereits lange in die entgegengesetzte Richtung: Hochwertiges (!) Omega-3 scheint das Demenzrisiko zu verringern.

Eine aktuelle Metaanalyse (Boah-Zen Wei et al. 2023 – 48 Studien, 103.651 Teilnehmer) ermittelte:

Die höhere DHA-Aufnahme war mit 18% niedrigerem Demenzrisiko assoziiert (RR: 0.82). Jede zusätzliche 0,1 g/Tag DHA oder EPA reduzierte das Risiko kognitiven Abbaus um weitere 8–10%.

Ergo: Viel hilft viel.

In Subgruppen fielen die Effekte sogar noch stärker aus:

Bis zu 24% reduziertes Alzheimer Risiko.
Bis zu 27% reduziertes Demenz Risiko.

Fazit

Zu kommunizieren, Fischöl „könnte die Entstehung von Demenz deutlich beschleunigen“ ist wissenschaftlich und auch ethisch höchst fragwürdig.

Weiterhin schrieb Lauterbach über Fischöl Präparate:

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt wenig Evidenz dafür, dass sie einen medizinischen Nutzen haben.

Auch diese Aussage ist vor dem aktuellen Forschungsstand nicht nur kritisch zu sehen, sondern absolut unqualifiziert.

Was uns wohl erwartet, wenn Lauterbach seinen ersehnten Posten als WHO-Generaldirektor bekommt?

Es wird möglicherweise viel Humor gefragt sein, um die neuen, wissenschaftlichen Erkenntnisse, die unseren Alltag beeinflussen, dann noch genießen zu können.

Abschließend sei aber auch gesagt: Oxidierte Fischöl-Produkte sind ein reales Problem. Wie damit umzugehen ist: Im Artikel „Die Omega-3 Lüge | Was Du über Fischöl wissen musst„.

Quellenverzeichnis

1. Liao Z-B, Hu Z-C, Zeng G-H, Chen J, Li X-P, Liu Y-H, Yao X-Q, Wang Y-R; Alzheimer’s Disease Neuroimaging Initiative (2026). The association between omega-3 supplementation and cognitive decline in older adults. The Journal of Prevention of Alzheimer’s Disease. DOI: 10.1016/j.tjpad.2026.100569

2. Wei B-Z, Li L, Dong C-W, Tan C-C, Xu W (2023). The Relationship of Omega-3 Fatty Acids with Dementia and Cognitive Decline: Evidence from Prospective Cohort Studies of Supplementation, Dietary Intake, and Blood Markers. American Journal of Clinical Nutrition. DOI: 10.1016/j.ajcnut.2023.07.001 — 48 Studien, 103.651 Teilnehmer.

Vincent Braukämper

Vincent Braukämper

Vincent Braukämper ist Dozent, Autor und Mentor mit Fokus auf angewandte menschliche Entwicklung, Verhalten, Entscheidungsprozesse, Leistungsfähigkeit und Gesundheit. Er verbindet Erkenntnisse aus Stoffwechselphysiologie, Psychoneuroimmunologie und Verhaltensforschung mit über zehn Jahren praktischer Arbeit im Gesundheits- und Leistungsbereich. Auf Intelletics teilt er wissenschaftlich fundierte, praxiserprobte Ansätze zu metabolischer Gesundheit, Longevity und leistungsrelevantem Verhalten. Autorenprofil

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